Dmitrij   Boglasow 

Oberleutnant 
Kriegsgefangener 
Geb. 28.7.1905 Jachroma, Region Moskau
Gest. 12.11.1943 Ermordung im Strafkommando Wildpoldsried 

Nachname 

Boglasow

Vorname

Dmitrij

Geburtsdatum

28.7.1905

Geburtsort

Jachroma

Todesdatum

12.11.1943 Strafkommando Wildpoldsried – an Haft, Hunger und Organversagen

Einberufung

20.6.1941 – Oberleutnant in der Maschinengewehrkompanie des 1. Bataillons des 1295. Schützenregiments der 160. Schützendivision (später 6. Moskauer Schützendivision der Volksmiliz)

Gefangennahme

 10.3.1942 bei Wjasma (240km westlich von Moskau)

Erstes Kriegsgefangenenlager 

12.05.42 - „Kriegsgefangenen-Lager 2 der Luftwaffe“ in „Litzmannstadt“ (Lodz/Polen)  Lager-Nr. 19 – Erste Anzeichen für Aushungerung

Zweites Kriegsgefangenenlager 

13.08.42 Stammlager VII A Moosburg (nördlich von München)

Drittes Kriegsgefangenenlager

16.8.1942 Außenlager bei München-Riem, auch „Arbeitskommando 3127“ – September 1942 Behandlung wegen Hungerödemen 

Verweigerung der Zwangsarbeit im Kriegssektor

23.12.1942 – Arbeitskommando Flugplatz Riem 

5 Tage Strafzelle mit Hungerarrest 

Viertes Kriegsgefangenenlager

11.1.1943  Außenlager – „Arbeitskommando 2966“ - Baierbrunn (15 km südlich von München) 

Flucht 

30.1.1943 „Kurierdienst“ für die von ihm mitbegründete Widerstandorganisation sowjetischer Offiziere „Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen“ (russ. „Братское сотрудничество военнопленных“ [BSW], genannt auch „Bruderschaft der Kriegsgefangenen“) 

Festnahme und Bestrafung

2.2.1943 in Hohenschäftlarn (4 km südlich von Baierbrunn)

10 Tage Strafzelle mit Hungerarrest
 

Fünftes Kriegsgefangenenlager

2.4.1943 Arbeitskommando 3208 bei München-Grünwald 

Flucht 

12.4.1943 „Kurierdienst“

Festnahme

14.4.1943 im Perlacher Forst

Sechstes Kriegsgefangenenlager

15.4.1943  Stammlager VII A Moosburg 
21 Tage Strafzelle mit Hungerarrest

26.5.1943–16.6.1943 Lazarett wegen „Mangelödemen“ sowie Herzmuskelentzündung


12.7.1943 erneut 7 Tage Strafzelle mit Hungerarrest wegen „Verstoß gegen die Lagerordnung“ 


Ende Juli: erneut 8 Tage Strafzelle wegen „Verstoß gegen die Lagerordnung“ 

Siebtes Kriegsgefangenenlager

06.08.1943 Arbeitskommando 3370 Wildpoldsried „Dammweg“ – Außenlager des Stammlager VII A: Strafkommando
Krankenrevier Ende Oktober (?) 1943

Ermordung

Tod 12.11.1943 – an den Folgen von Haft, Hunger und Auszehrung  mit allgemeinem Organversagen 

Grab

Friedhof Wildpoldsried

Biografie

Dmitrij Stepanowitsch Boglasow wurde am 28. Juli 1905 in Jachroma bei Moskau geboren und arbeitete als Bautechniker und Ingenieur in der Weberei Jachroma. Er war verheiratet mit Anastasija Boglasow, sie hatten drei Kinder.
Im Juni 1941 wurde er als Oberleutnant zur Roten Armee eingezogen, seine Familie meldete ihn bereits im Januar 1942 als vermisst, sie hörten zuletzt im November 1941 von ihm.
Er geriet am 10. März 1942 bei Wjasma in deutsche Kriegsgefangenschaft. Bei der Rschew-Wjasma-Operation, einer der verlustreichsten Schlachten an der Ostfront, stieß die Rote Armee bis vor Wjasma vor, wurde dort abgeschnitten und von der Wehrmacht eingekesselt. Nach wochenlangen Kämpfen waren die Soldaten so erschöpft, dass manche im Schlaf gefangengenommen wurden. So geriet auch Dmitrij Boglasow in deutsche Kriegsgefangenschaft.
 

körperlichen Verfassung bei Überstellung:

Einstufung als „gesund“
„Besondere Kennzeichen“: 
große Narben am Kopf, an beiden Knien und auf dem Rücken; Verdickungen am linken Ohr; stark vorstehende Schulterknochen 
1,77 m groß, schwarze Haare, braune tiefliegende Augen, breite und flache Nase 
 

Obwohl er am 12.05.1942, zwei Monate nach Gefangennahme, im Kriegsgefangenen-Lager 2 in Litzmannstadt (Łódź, Polen) als „gesund“ eingestuft wurde, deutet die Beschreibung seiner „besonderen Kennzeichen“ (vorstehende Schulterknochen) auf Mangelernährung während der Überstellung hin. 
Am 13.08. 1942 wurde er in das Stammlager VII A Moosburg an der Isar, nördlich von München verlegt, 3 Tage später in ein Außenlager bei München-Riem. Dort musste er im „Arbeitskommando 3127“ Zwangsarbeiten leisten und wurde vom 22.-29.09.1942 wegen Hungerödemen im Lazarett behandelt. 
Im Dezember wurde er auf dem Flugplatz Riem für Zwangsarbeiten im Kriegssektor eingesetzt und verweigerte die Arbeit. Daraufhin wurde er mit 5 Tagen „Hungerarrest“ bestraft.
Im Januar 1943 wurde er in das „Arbeitskommando 2966“ bei Baierbrunn (15km südlich von München) verlegt, wo er am 30.01.43 zum ersten Mal floh.


Boglasow war Mitbegründer der Widerstandsorganisation sowjetischer Offiziere „Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen“ “ (russ. „Братское сотрудничество военнопленных“ [BSW], genannt auch „Bruderschaft der Kriegsgefangenen“). Diese antifaschistische Widerstandorganisation bestand vor allem aus sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern im süddeutschen Raum und war die größte ausländische Widerstandorganisation im „Dritten Reich“. 


Durch bewusst geplante Fluchten von Offizieren stelle die BSW Verbindungen zwischen den Kriegsgefangenen- und Zwangarbeiter- Lagern her. Ihre Absicht war es Aufstände vorzubereiten und damit ihren Peinigern zu schaden und den Krieg zu verkürzen. Dazu stellten sie auch Kontakte zu deutschen Widerstandsgruppen her. 
Bereits am 02.02.1943 wurde Boglasow 4km südlich von Baiersbrunn in Hohenschäftlarn wieder festgenommen. 
Es muss davon ausgegangen werden, dass er sich nach Erfüllung seines „Kurierdienstes“ bewusst wieder der Wehrmacht stellte, um den BSW-Mitstreitern im Lager Hohenschäftlarn über seine Fluchtergebnisse zu berichten. Für den Fluchtversuch wurde er mit 10 Tagen Hungerarrest bestraft. 


Ab dem 02.04.1943 kam er in das „Arbeitskommando 3208“, 5km südlich von München-Grünwald. Dort beging er am 12.04. erneut einen Fluchtversuch, wieder um „Kurierdienst“ zu leisten. Bereits 2 Tage später wurde er im Perlacher Forst (in München-Perlach wurde die Untergrundorganisation im März 1943 gegründet und es war das Zentrum des Widerstandes) verhaftet, er stellte sich erneut bewusst der Wehrmacht, um seinen Kameraden im nächsten Lager zu berichten.


Am 15.04.1943 wurde er in das Stammlager VIIA in Moosburg bei München gebracht wo er für 21 Tage mit strengem Arrest, also erneutem Hungerarrest bestraft wurde. Anschließend wurde er erneut für Zwangsarbeiten eingesetzt.
 

Kriegsgefangenenkarte des Lagerlazaretts „Strafgefangenen-Lager VIIA Moosburg“


Vom 26.05-16.06.1943 wurde er im Lazarett des Stammlagers wegen Hungerödemen „behandelt“, in einer Quelle wird auch eine Herzmuskelentzündung erwähnt. Auch wurde vermerkt, dass seine Frau Anastassija bei seinem Tod zu benachrichtigen sei -offenbar bestand Lebensgefahr. 
Dennoch wurde er am 12.07. sowie Ende Juli erneut für 7 bzw. 8 Tage wegen „Verstößen gegen die Lagerordnung“ mit Hungerarrest bestraft.


Am 06.08.1943 wurde er in sein siebtes und letztes Kriegsgefangenen-Lager dem „Arbeitskommando 3370“ Wildpoldsried gebracht. Das Außenlager war ein Straf-Arbeitskommando mit hoher Todesrate. Hierher verlegte Gefangene wurden zur Strafe und Abschreckung durch schrecklichste Haftbedingungen gequält und ermordet. Seine Verlegung, trotz des eh bereits erschöpften und ausgelaugten körperlichen Zustands kann als Boglasows Todesurteil und Todesstrafe verstanden werden. Bereits Ende Oktober 1943 wurde er im Krankenrevier des Strafkommandos aufgenommen.


Am 12.11.1943 starb er an den Folgen von Haft, Hunger und Auszehrung mit allgemeinem Organversagen. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Wildpoldsried.
Die Anführer der Widerstandsbewegung  „Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen“ wurden am 04.09.1944 im KZ Dachau ermordet.  
 

Dmitrij Boglasows Wehrmacht-„Personalkarte 1“ des Stammlagers „Litzmannstadt“ (Lodz/Polen)  vom 12.5.1942  - Anmerkung: Die Karte wurde mit „verstorben“ markiert

Recherchen und historisch-wissenschaftliche Darstellung: Dr. Dieter Weber, Maria Rain

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