Andor Akos (1893-1943)

Kemptener Architekt, Innenarchitekt und Künstler
Erstes tödliches Opfer infolge der nazistischen Rassenideologie in Kempten

Sohn ungarisch-deutscher Eltern aus dem Banat (Österreich-Ungarn). 

Erzogen im katholischen Glauben. Prägung durch die deutsche Sprache und Kultur in der Jugend.

* 17.Juli 1893      Gross-Becskerek im Banat; † 1. Juli 1940, Wien.

1899 - 1911         Volksschule und Gymnasium im Banat und in Budapest

1911 (vor)            Wiederverheiratung der Mutter mit einem deutschen Juden: Konvertierung der Familie zur                                     einer israelitischen Glaubensgemeinschaft (gegenwärtiger Forschungsstand)

1911                    Abitur

1911 - 1914        Architekturstudium an der Technischen Hochschule München

1914 - 1918        Kriegsdienst. Tiroler Kaiserjäger. Oberleutnant. Hoch dekoriert, u. a. Orden „Eiserne Krone                                    mit den Schwertern“ aus den Händen Kaiser Karls I.

1918 -1919         Fortsetzung des Architekturstudiums, u. a. bei bekannten Professoren wie Friedrich von                                        Thiersch und Theodor Fischer. 

1919                   Diplom-Ingenieur im Fach Architektur. 

1920 (vor)           Rekonvertierung zum katholischen Glauben

1920 - 1926        Zuzug nach Kempten. Innenarchitekt bei den Gebr. Botzenhardt: ArchitekturbüroMöbelfabrik                                und Bauschreinerei, Schlossergasse 5

1920                   Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit

1926                   Selbstständiger Architekt 

1927 - 1940        Wohnung und Atelier am Stiftsplatz 1 (1. Stock des „Gasthauses zum Stift“).

1929                   Mitbegründer des Vereins „Schlaraffia Cambodunum“ Erscheinen eines Bildbandes über Bauten                            von Andor Ákos

1939 - 1940        Reaktivierung zur Wehrmacht. Kompaniechef einer Baueinheit

1940 (Mai/Juni)  Beförderungsvorschlag zum Hauptmann. Entdeckung der bis dahin unbekannten jüdischen                                    Identität.  Aufforderung zur Selbsttötung durch Kemptener NSDAP-Chef.

01.07.1940         Suizid im Hotel „Kaiserpark“ in Wien, gelegenen neben Schloss und Park Schönbrunn.     

Ákos wollte sich seine Offiziersehre von den Nazis nicht nehmen lassen und deshalb dort sterben, wo er als Kaiserjäger 1915 mit seinem Innsbrucker 1. Kaiserjägerregiment vor Kaiser Franz Josef paradierte und mit diesem sprach. 

Werk: Insgesamt mehr als 230 Bauwerke. Prägte als Baumeister der 20er und 30er Jahre das Stadtbild von Kempten (Kirchenbauten [Himmelfahrtskirche an der Iller, „Maria Hilf“ in der Eich], Rathaus- und Kornhausumbau, Stadt- und Landhäuser, Gasthöfe [u. a. „Bayerischer Hof“], Gewerbe- und Industrieobjekte, Siedlungsbau, Friedhofsneu- und Denkmälergestaltung). Unzählige Bauten im gesamten Allgäu und in Schwaben. Begründer des Allgäuer Landhausstils. Bekannt auch als Maler und Grafiker, insbesondere auch als Porträtzeichner (u. a. Förderreuther-Bild). 

Gedenken:   1990 Straßenbenennung: Ákos-Weg. Gedenktafel an der Kirche „Maria Hilf“ in der Eich.

Literatur: Weber, Dieter: Andor ÁKOS. 1893 –1940. Architekt und Künstler aus Kempten. Opfer des NS-Rassenwahns. in: Lebensbilder aus dem bayerischen Schwaben, Bd. 17, Weißenhorn 2010, S. 237–295.

„Recherchen und historisch-wissenschaftliche Darstellung: Dr. Dieter Weber, Maria Rain“